(mit Oskar Negt)
Gemeinsame Philosophie in zwei Bnden.
Band 1:
Band 2: Geschichte und Eigensinn.
Zweitausendeins Verlag, Frankfurt a.M. 2001
ISBN 3-86150-427-8

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Die Theorie ...

Alexander Kluge und Oskar Negt haben zusammen drei theoretische Bcher geschrieben: ffentlichkeit und Erfahrung (1972), Geschichte und Eigensinn (1981) und Maverhltnisse des Politischen (1992).

Im Unterschied zum Erzhlen in Literatur und Film betrachtet Kluge Theorie als "Kartographie", Herstellen einer bersicht, die Orientierung ermglicht. ffentlichkeit und Erfahrung war eines der ersten grundlegenden Bcher, das sich mit den sog. Neuen Medien, dem Privatfernsehen und dem Medienverbund beschftigte. Der in dem Buch thematisierte Kampf um die Existenz einer unabhngigen ffentlichkeit, der 1968 nach dem Attetentat auf Dutschke z.B. zur Verhinderung der Auslieferung der Bild-Zeitung gefhrt hatte, ist heute noch keineswegs entschieden, sondern setzt sich im Internet fort.

Das theoretische Hauptwerk Geschichte und Eigensinn ist eine Fortsetzung der Kritischen Theorie mit dekonstruktivem Charakter. Die Autoren lesen die klassischen Texte (vor allem Marx) als Spuren und entwickeln daraus eine "konomie der Arbeitskraft" oder der "menschlichen Eigenschaften", ohne deren "Eigensinn" Geschichtsprozesse nicht zu verstehen sind. Der aktuelle Anlass dieses Buches war der "Deutsche Herbst" 1977, als die Bundesrepublik Zge eines Polizeistaates anzunehmen begann. Aus diesem Motiv ist insbesondere der zweite Teil, die Vertiefung in die deutsche Geschichte ("Deutschland als Produktionsffentlichkeit") erwachsen. Der dritte Teil ("Gewalt des Zusammenhangs") untersucht die Geschichte und den besonderen Eigensinn von Krieg und Liebe ("Beziehungsverhltnisse").

Die Vernderungen des Politischen, die Theatralisierung, das Erstarken von gefhrlichen Fiktionen in der Reagan-Zeit bei gleichzeitiger Auflsung von Politik in Verwaltung, manches davon ist inzwischen auch in Europa zu beobachten, sind Anlsse des dritten Buches. In 15 eigenstndigen Kapiteln (u.a. ber China, den ersten Golf-Krieg, die "Chiffre unseres Jahrhunderts", "Geschwindigkeit als Politik" und ber Populismus) schrfen die Autoren einen Begriff von Politik, der diese nicht als "Substanz" versteht - jedes "alltgliche Gefhl" kann eine "Intensitt" gewinnen, die es politikfhig macht -, sondern als Form. Emanzipatorische Politik entsteht nur dann, wenn selbstregulierende Organisationsformen ein Ma zueinander finden. Um diese Maverhltnisse des Politischen geht es.

Alle drei Bcher wurden um 200 Seiten Protokolle von Fernsehgesprchen zwischen Negt und Kluge ergnzt ("Suchbegriffe"), in denen die Erfahrungen der neunziger Jahre reflektiert werden, und erschienen in zwei Bnden zusammengefat 2001 unter dem Titel Der Unterschtzte Mensch.