Der Autor ...

Kluges literarisches Werk liegt in fnf Bnden (des Suhrkamp Verlages) vor: Chronik der Gefhle (2 Bd., je 1000 S., enthlt auch die in den 60er und 70er Jahren publizierten Erzhlungen), 2000; Die Lcke, die der Teufel lt (950 S.), 2003; Tr an Tr mit einem anderen Leben (650 S.), 2006; Geschichten vom Kino (350 S.), 2007.

Auf jeder dieser mehr als 4000 Seiten ist, was zu sagen ist, auf die krzeste Weise gesagt. Kluge ist ein lakonischer Erzhler. Das ermglicht ihm eine Extensitt der Stoffe, fr die sich kaum etwas Vergleichbares findet. Sein eigentlicher Acker ist das 20. Jahrhundert, d.h. die Materie, die einer aus seiner Generation mit dem unmittelbaren Gefhl erreichen kann. Die sachliche Przision, das Dokumentarische, die Beschreibung der modernen Klte, die in den gesellschaftlichen Institutionen (Justiz, Verwaltung, Militr, Wirtschaft, Wissenschaft) herrscht, kann einem Autor nur gelingen unter vollem Einsatz seiner emotionalen Energie. Kluge schreibt Geschichten, fr die gilt: "Die Form ist ein Gefhl". In dieser Methode steckt der gesammelte Protest gegen eine objektive Realitt, die umgekehrt verfhrt, die Gefhl, Erfahrung, Phantasie als Inhalte in Sachgesetzen, "sthlernen Gehusen" oder in katastrophischen Ex- und Implosionen (Kriege, Krisen, individuelles Unglck) verheizt.

Geht das Individuelle, Subjektive in die Form, dann ist das auch eine Absage an Genres und konventionelle Formen (Krimi, Novelle, Kurzgeschichte, Plot, Suspense, Biografie usw.), auch wenn die Leserin die rasantesten Kriminalstoffe, die bewegendsten Liebesgeschichten und die unglaublichsten Lebenslufe in Kluges Bchern findet. Jede Geschichte, ob wenige Zeilen oder viele Seiten lang, ist so autonom wie ihr Ausdruck, aber die Montage von Geschichten stellt grere Einheiten her. Was gerade eine Nebensache war, wird in der nchsten Geschichte zur Hauptsache, was ein wirklicher Zusammenhang ist, kannn sich nur aus den unterschiedlichen Perspektiven von Beteiligten ergeben, deren Situation der Autor recherchiert und in die er sich hineinversetzt. Fr das Buch ber Stalingrad hat sich die Bezeichnung "Montageroman" durchgesetzt, und auch z.B. das letzte Kapitel in der Chronik der Gefhle: Der lange Marsch des Urvertrauens (knapp 100 S.) kann als Roman gelesen werden, wenn man bereit ist, ein lebendiges Wesen unterhalb und zwischen menschlichen Individuen als Hauptfigur einer zusammenhngenden Dimension der Wirklichkeit anzuerkennen. (RS)