2001 Von: Ulrich Kriest

Verbrechen

Filmdienst 01/2001, S.7ff.

Facts & Fakes 1


Der Fundus, aus dem Alexander Kluge seine Geschichten speist, changiert seit je programmatisch zwischen 'Fact & Fake', so auch der Titel der im Berliner Verlag Vorwerk 8 erscheinenden Reihe, deren erster Band von verdienstvollen Fernseh-Nachschriften aus Kluges dctp-Produktionen den Themenkomplex 'Verbrechen' verhandelt.
Im überaus inspiriert gestalteten 'Facts & Fakes' sind Gespräche Kluges mit Ulrike Sprenger, Joachim Kersten und Manfred Pichota (der tatsächlich wie Peter Berling aussieht) dokumentiert, die u.a. um Friedrich Schillers 'Verbrecher aus verlorener Ehre', den Fall Zurwehme, den Thriller 'Seven', das Gewaltmonopol des Staates und dessen Straffunktion kreisen. Kluge wäre allerdings nicht Kluge, wenn man hier nicht auch Monica Lewinsky, Wladimir Putin und Tom Kummer begegnete, schließlich gilt: 'Eine Welt voller Tatsachen setzt offene Horizonte voraus, wohin das Gefühl (die Hoffnung) sich flüchtet, das es unter den Tatsachen nicht aushält.' Anders gesagt: 'Wer über die Märchen lacht, war nie in Not.'