2012

Alexander Kluge | Theorie der Erzählung

Frankfurter Poetikvorlesungen - 05.06., 12.06., 19.06. + 26.06.2012 18 Uhr c.t. in der Goethe-Universität Frankfurt am Main


Dienstag 5. 6. 2012
Das Rumoren der verschluckten Welt. Die Lebensläufe und das Wirkliche

Der Erzählraum besteht aus Zeitperspektiven. 21.000 vor Christus ist eine zurückliegende Zeit, die mir dennoch in der Gegenwart von elementarer Wirkung zu sein scheint. Das ganz andere Leben einer Fliege in einem Pernod-Glas macht mich nachdenklich über das Überleben meiner Erzählungen. Texte aus DAS FÜNFTE BUCH. NEUE LEBENSLÄUFE.

Dienstag 12. 6. 2012
Das Handwerkszeug für Text und Film. Die Poetik selbst

Eine besondere Intensität des Gefühls nennen wir DENKEN. Einen besonderen Intensitätsgrad der Beobachtung und der Hingabefähigkeit der Sinne nennen wir EMOTION: sie ist dann nicht sentimental, sondern besteht aus Unterscheidungsvermögen und ist, gerade in ihrer poetischen Natur, die Schwester des Denkens. Dieses wiederum besitzt, wenn es gelingt, poetische Natur. Zunächst geht es um die einzelnen Sätze. Sie verbinden sich durch Montage. Man kann auch von Architektur des Zusammenhangs und von Konstellationen sprechen.

Dienstag 19. 6. 2012
Die Wirklichkeitsmassen, die auf ihre Erzählung warten

Alles Erzählbare und der Erzählung Harrende bildet selber bereits einen »Erzählraum der Wirklichkeit selbst«. Menschen schaffen sich eine zweite Haut namens Realität. Sie fügen in sie etwas von sich ein. Wieso ist es dann ein Wunder, dass wir sagen müssen, die massereichsten Romane erzählt die Realität selbst? Insofern lohnt sich eine Sortierung der Großbaustellen des Erzählens nach Komplexen, wie sie im 21. Jahrhundert besonders hervortreten. Revolution. Krieg. Die Stadt. Wolken des Zufalls. Sieben Milliarden Erdenbewohner. Was heißt Orientierung?

Dienstag 26. 6. 2012
Die Unabweisbarkeit des Erzählens

Der Unterschied von Narration und Information. »Erlöst die Tatsachen von der menschlichen Gleichgültigkeit.« Menschen können zwischen Sachlichkeit und Einfühlung nicht wählen: Sie können nur beides ausüben oder keines. Bodenhaftung durch Bauch. Politik der Wörter. Das Parlament der Geister im menschlichen Gehirn. Minutenfilme. 12-Stunden-Programme. Neue Projekte.

18 Uhr c.t. in der Goethe-Universität Frankfurt am Main Hörsaal HZ 2 (Hörsaalzentrum Campus Westend) Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main

Zusätzliche Veranstaltung I Dienstag 26. 6. 2012 I 20.30 Uhr
Abschlusslesung Alexander Kluge
Literaturhaus Frankfurt, Schöne Aussicht 2

Begleitausstellung im »Fenster zur Stadt«
Haus des Buches, Braubachstraße 18-22